Wort und Recht – Staat, Leib und Geld

Workshop
Samstag, 23. November 2019, 14-18 Uhr
Institut für neue Arbeit

Fixpunkte von 50 Jahren sozialistischer Selbsthilfe

Öffentlichkeit: Die Wörter
Rund 500 verschiedene Plakate hat die sozialistische Selbsthilfe im Laufe ihrer Geschichte geklebt, dazu zahlreiche Flugblätter, eine eigene „Wandzeitung“ herausgebracht, „Klüngelgeld“ am Rosenmontag geworfen oder Broschüren wie „Die Aussonderung der Entarteten“ publiziert. Neben der praktischen Tätigkeit waren Information und Agitation immer wesentliches Handlungsfeld. Der Gestalter der meisten Publikationen, der Grafiker und Drucker Jochen Stankowski, ist eingeladen.

Finanzierbarkeit: Das Geld
Die Geschichte von SSK/SSM ist auch eine Geschichte von Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von öffentlichem Geld, vulgo „Staatsknete“. Fürs Leben reichte in der Regel, was durch die eigene Arbeit rein kam. Was aber, wenn Häuser erworben, LKW repariert oder Investitionen getätigt werden mußten? Hier sprang der Förderverein „Helft dem SSK“ bzw. „Mach Mit“ beim SSM ein. Agiler Inspirator war Rolf Stärk, dessen unkonventionelle Kenntnisse und Vorschläge um Sanierung und Finanzen selbst die städtische Verwaltung ins Schwitzen brachte.

Polizeiarbeit: Der Staat
Köln war in den 70/80er Jahren eine Hochburg der Hausbesetzung, in der Innenstadt, dem Belgischen Viertel, Ehrenfeld, Mülheim oder Porz. Überall wurden leerstehende Häuser instandbesetzt, viele vor dem Abriss gerettet, einige später legalisiert. Die Kölner Polizei, ihrer sogenannten „Kölner Linie“ folgend, verhielt sich anders als im Rest der Republik, eher zurückhaltend. Einer der Beteiligten auf Seiten des Staates, Gerd Diefenthaler, seinerzeit Dienstgruppenleiter Innenstadt der Polizei, später Ausbilder an der FHS und lange Jahre Vorsitzender der Jungen Gruppe in der „Gewerkschaft der Polizei“, war bei vielen Hausbesetzungen „dabei“. Er wird aus seiner Sicht im Gespräch berichten.

Strafbarkeit: Das Recht
Der Regelbruch war immer Teil der Praxis der sozialistischen Selbsthilfe. Entsprechend heftig waren die Versuche von Stadt und Politik, Landschaftsverband und Polizei, die Aktivisten mit Klagen ruhig zu stellen: Haus- oder Landfriedensbruch, Entführung, Beleidigung oder tätlicher Angriff, Amtsmißbrauch oder Geheimnisverrat, es gibt wenige Paragrafen im Strafgesetzbuch, die nicht zur Anwendung kamen, aber – es kam fast nie zu einer Verurteilung. Im Gegenteil, die Klagen und Verfahren wurden Teil der öffentlichen Auseinandersetzung. Einer der dabei eine entscheidende Rolle spielte war Rechtsanwalt Heinrich Comes.

Verletzbarkeit: Der Leib
Körperliche Unversehrtheit war für viele Menschen in Erziehungsheimen, Psychiatrischen Kliniken oder auf der Straße ein Traum. In der Realität waren sie einem System ausgeliefert, das sie eher krank machte. Das hat sich auch dank der Aktion von SSK/SSM zum Teil gebessert, psychiatrische Kliniken mußten geschlossen werden, es gab erste medizinische Hilfen auf der Straße, für Flüchtige wie Flüchtlinge sowie für Wohnungslose. Angefangen hat es mit einer „Ambulanz im SSK“, die sich vorrangig um Obdachlose, Illegale, Menschen ohne Krankenschein und Arme ohne Arzt kümmerte. Verschiedene Ärzte und Krankenschwestern waren beteiligt und initiiert war die Ambulanz von Dr. Peter Stankowski.

Institut für neue Arbeit,
Düsseldorfer Straße 74, Köln Mülheim
KVB Wiener Platz
Eintritt frei / Kostenbeitrag erbeten / Anmeldung erwünscht
bei: info@3k-koeln.de